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Zum Projekt

Zum Beginn des Jahres 2019 startete unser Verein ein ganz besonderes Projekt: Gemeinsam mit der Otto von Guericke-Universität Magdeburg wagen wir uns an die Rekonstruktion eines zerstörten Grabdenkmals.

Diese Epitaph befindet sich im Dom an der Südwand. Es ist nur noch in Fragmenten an der Wand zu sehen, denn es wurde 1945 bei einem Luftangriff teilweise zerstört. Das beschädigte Epitaph der Familie von Arnstedt aus dem 17. Jahrhundert ist die letzte große Kriegswunde, die im Dom zu sehen ist. Etwa 200 Teile davon – Bruchstücke, Säulen, Skulpturenteile – sind noch vorhanden und warten darauf, wieder zusammengesetzt zu werden.

Bei unserem Vorhaben unterstützen uns die Maschinenbauer und Informatiker der Magdeburger Universität. Sie bereiten mit modernen Messtechnologien und 3D-Bildgebungsverfahren den Wiederaufbau des Epitaphs vor. Im ersten Schritt des gemeinsamen Vorhabens erfolgt eine präzise Bestandsaufnahme der an der Wand verbliebenen Reste und der Bruchstücke durch moderne ingenieurwissenschaftliche Scanverfahren. Danach werden Computervisualisten der Uni versuchen, dieses Puzzle digital zusammenzufügen.

Erst danach ist es möglich zu entscheiden, wie und mit welchen Verfahren das Epitaph wieder Gestalt annehmen kann. Mit einer Spendenaktion wird unser Verein für die einzelnen Puzzleteile Paten zu finden, die uns helfen, die letzte große Kriegswunde im Dom zu heilen.

Neues zum Projekt

Erklärung Arnstedtsches Epitaph

Hängeepitaph für die Familie des Domherren Friedrich von Arnstedt († 1608)

Dieses Epitaph ist stark zerstört, so dass man nur noch den Grundaufbau sehen kann. Es handelte sich um ein Werk Sebastian Ertles, das er, wie aus seiner Signatur hervorging, 1610 vollendete, d.h. zwei Jahre nach dem Tod von Friedrich von Arnstedt. Allerdings ist das Epitaph nicht allein für Arnstedt bestimmt, sondern auch für dessen zwei Frauen und sieben Kinder. Auf einer mittleren Platte befanden sich Figuren von Arnstedt selbst und seinen sieben Kindern (4 Söhnen und 3 Töchtern), an den Seiten waren auf angeschrägten Platten die Figuren der beiden Ehefrauen. Unter jeder von ihnen enthielt eine trapezförmige Tafel ihre Grabschrift. In der Mitte war unter der Platte zunächst ein Lazarusrelief und darunter die Grabschrift angebracht. Im Mittelbild war eine Kreuzigung zu sehen und darüber eine Grablegung. Auch dieses Epitaph war ursprünglich bemalt gewesen.

Friedrich von Arnstedt wurde 1548 geboren und wurde 1576 Domherr. Er war Besitzer der Herrschaften Unterröblingen, Oberallstedt und Barleben.


Presseinfo des Domfördervereins


Presseinformation 01/2019 – 12. Februar 2019

Restaurierungsprojekt Epitaph Friedrich von Arnstedt

  • Alter Dom trifft junge Wissenschaftler
  • Glaube trifft Wissenschaft
  • Denkmalpflege trifft Maschinenbau

Der Lettner strahlt seit über einem Jahr in neuer Pracht. Beim Weg über die 430 Stufen zur Spitze des Nordturms können sich die Besucher davon überzeugen, was Ehrenamt und Spenden bewirken können. Ein Blick auf leuchtende Farbfenster und das goldene Band ist ein weiteres Zeugnis für die Arbeit des Domfördervereins. Diese Erfolge machen Mut, heute mit einer ganz besonderen Spendensammlung zu beginnen.

Am Ende des Zweiten Weltkrieges ragte der Dom aus der fast völlig zerstörten Altstadt Magdeburgs. Aber auch er blieb nicht unverschont. Die große Orgel wurde noch am 2. März 1945 zerstört. Das Grabmonument für den Domherrn Friedrich von Arnstedt und seine Familie wurde ebenfalls stark beschädigt. Über 200 Bruchstücke dieses Anfang des 17. Jahrhunderts entstandenen Arnstedtschen Epitaphs konnten gesichert werden. Reste sind über einer Nische an der Wand des südlichen Seitenschiffs zu sehen – provisorisch abgestützt durch einen Baumstamm.

Ein mehrdimensionales Puzzle muss wieder mühsam zusammengefügt werden. Eine Vorlage gibt es nicht, nur wenige alte Fotografien und Beschreibungen dieser Grablege aus Sandstein, Alabaster und  Marmor. Ursprünglich war es mit Farbfassungen und Vergoldungen versehen. Die  Figuren des Stifters und seiner Frauen Metta und Magdalena, Wappen, Konsolen, Obelisken, Blattranken, Putten, Pferdeköpfe, biblischer Szenen, das Meisterschild vom Steinmetz Bastian Ertle mit der Datierung 1610 und viele weitere große und kleine Teile müssen gefunden und wieder zusammengefügt werden.

Die Mitglieder des Förderverein Dom zu Magdeburg e.V. betreten damit Neuland, Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ebenfalls. Maschinenbauer und Informatiker unterstützen dieses ambitionierte Vorhaben mit modernen Messtechnologien und 3D-Bildgebungsverfahren. Nach vielen aufwändigen Scans im Dom und der mühevollen Computervisualisierung an der Uni wird dieses Kunstwerk – sicher mit etlichen Fehlstellen – als ein enormer digitaler Datensatz auf dem Rechner zu bewundern sein – dreidimensional. Im nächsten Schritt wird über die ebenfalls umfangreiche praktische Rekonstruktion zu entscheiden sein. Womit werden die Fehlstellen ersetzt? Traditionell durch die kunstvolle Arbeit eines Steinmetzes oder durch innovative 3-D-Drucke? Ein spannendes Unterfangen von Beginn an.

Auf jeden Fall werden ein heute noch schwer einzuschätzender Zeitaufwand und eine nicht unerhebliche Spendensumme erforderlich sein. Wir aber haben den Mut zu beginnen. Unter www.domverein-magdeburg.de und www.ovgu.de. werden wir über die Fortschritte berichten.

Der Domförderverein bedankt sich schon heute beim Rektor der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan sowie Prof. Bernhard Preim von der Fakultät für Informatik,  Dr.-Ing. Fabian Klink von der Fakultät für Maschinenbau und  ihren Teams für die tatkräftige Unterstützung.

Jede Spende unter dem Stichwort „EPITAPH“ auf das u.a. Konto ist ab sofort willkommen und wird ausschließlich für dieses Projekt verwandt werden. Spendenquittungen werden selbstverständlich ausgestellt.

Epitaph: 
Ein Epitaph – abgeleitet von dem lateinischen Wort  epitaphium, übersetzt: „bei oder auf dem Grab“, ist eine Grabinschrift oder ein Grabdenkmal für einen Verstorbenen an einer Kirchenwand oder einem Pfeiler.


Beitrag in der Volksstimme (20.02.2019)


Rekonstruktion

Wissenschaftler puzzeln digital im Dom

20.02.2019, Update: 21.02.2019, 11.30 Uhr

Wissenschaftler der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg helfen bei der Rekonstruktion des Arnstedtschen Epitaphs im Magdeburger Dom.

Magdeburg l Ein außergewöhnliches Projekt hat am 20. Februar 2019 seinen Auftakt im Magdeburger Dom gefunden. Eine der letzten Wunden, die im Dom noch aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges klafft, soll geschlossen werden. Gemeint ist die Rekonstruktion des Arnstedtschen Epitaphs.

Das Grabmonument der Familie Arnstedt soll mit der Hilfe von Wissenschaftlern aus dem Bereich Informatik und Maschinenbau an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg rekonstruiert werden. Genutzt werden moderne Messtechnologien und 3-D-Bildgebungsverfahren. Uni-Rektor Jens Strackeljan sieht darin eine Möglichkeit, Techniken weiterzuentwickeln, die dann auch bei größeren Vorhaben weltweit zum Einsatz kommen könnten, etwa in Syrien, wo auch zahlreiche Kulturdenkmäler im Krieg zerstört wurden.

Uni gibt Gesellschaft etwas zurück

Die Technik wird im Rahmen des Projektes noch weiterentwickelt – und das eher nebenbei. Denn das Vorhaben ist kein gefördertes Projekt. Dennoch findet Strackeljan, dass die Uni Magdeburg solche Projekte anstreben muss und sollte. Schließlich werde sie jährlich mit 90 Millionen Euro Steuergeld finanziert und werbe weitere 40  Millionen an Fördergeld ein. Mit dem Projekt würde etwas davon an die Gesellschaft zurückgegeben. Strackeljan hofft, dass das rekonstruierte Modell innerhalb eines Jahres fertiggestellt wird.

Aktuell sind die beiden Projektmitarbeiter damit beschäftigt, nach und nach alle vorhandenen Einzelteile zu scannen. Genutzt wird dafür ein Scanner, der die Objekte aus allen Richtungen einliest und in digitale Daten umwandelt. Ein vollautomatisches Verfahren ist nicht möglich. Wenn alle Teile erfasst sind, können sie in digitaler Form am Bildschirm wie ein Puzzle zusammengesetzt werden.

Überrest des Epitaphs wird gescannt

Dass die Forschung dabei immer wieder auch an Punkte gelangen könnte, an denen es Schwierigkeiten gebe, sei nicht ausgeschlossen. „Schon jetzt haben wir uns manches leichter vorgestellt“, so Strackeljan. Nicht nur die Einzelteile, die in der Steinekammer und auf dem Zimmermannsboden des Domes eingelagert worden waren, müssen erfasst werden. Auch der an der Südseite des Domes befindliche Überrest des Epitaphs sollte gescannt werden.

Zunächst versuchten es die Wissenschaftler mit einer Hebebühne. Aber jedes Mal, wenn die Bühne sich bewegte, geriet sie in Schwingung, und so entstanden nur unscharfe Bilder, so dass das Epitaph am Ende eingerüstet wurde. Strackeljans Wunsch wäre, dass im Rahmen solcher Projekte zum Beispiel auch überlegt wird, wie die Scanner solche Schwingungen ausgleichen könnten.

Projekt kostet mehrere 100.000 Euro

Auch der Domförderverein geht mit dem Vorhaben neue Wege. Schließlich wird das Projekt begonnen, ohne dass Kostenumfang und Zeitrahmen absehbar seien, wie Vereinsvorsitzender Stephen Gerhard Stehli erklärte. Nur so viel sei klar: „Die Umsetzung wird mehrere 100.000  Euro kosten“, sagte Stehli. Auf zeitliche Rahmen wollte er sich jedoch nicht festlegen lassen.

Der Verein setzt wie bei vorherigen Projekten auf die Unterstützung der Magdeburger und Fans des Magdeburger Domes, die zum Spenden aufgerufen sind. Mehr als 200 Einzelteile vom Epitaph sind erhalten. Diese sollen wie bei der Sanierung des Lettners sinnbildlich an Spender verkauft werden. Weitere Informationen erhalten Interessenten im Internet unter www.domverein-magdeburg.de.

Stephen Gerhard Stehli weiß, dass es sich um ein ehrgeiziges Vorhaben handelt: „Aber wir haben Gottvertrauen und Erfahrung“, sagte er. Und deshalb sei er optimistisch, dass die Umsetzung gelingen wird.

Zum Artikel


Uni Magdeburg unterstützt Grabmal-Restaurierung


"Mit modernen Messtechnologien und 3D-Bildgebungsverfahren unterstützen Maschinenbauer und Informatiker der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg den Wiederaufbau einer kunstgeschichtlich wichtigen Grablege im Magdeburger Dom. Das durch Kriegseinwirkung stark beschädigte Epitaph der Familie und des Domherren Friedrich von Arnstedt im südlichen Seitenschiff soll in Zusammenarbeit mit dem Domförderverein und der Kulturstiftung des Landes Sachsen-Anhalt rekonstruiert und so die letzten Bombenschäden aus dem II. Weltkrieg im Dom behoben werden. [...]"

Mehr erfahren


Radiobeitrag über die Rekonstruktion des Arnstedtschen Epitaphs

"radio SAW - Gott und die Welt", am 22. Februar 2019

 

Helfen Sie uns dabei!

Unser Spendenkonto bei der Stadtsparkasse Magdeburg: 
Förderverein Dom zu Magdeburg e.V.
IBAN: DE33 8105 3272 0036 0053 51

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